Der Internationale Währungsfond hat mit seiner Prognose zum globalen Wirtschaftswachstum die Stimmung an den Finanzmärkten, und damit auch an den Ölbörsen, eingetrübt. Die schlechten Konjunkturdaten aus China aber auch die zahlreichen Handelsstreitigkeiten zwischen den USA, der EU und China bremsen das Wirtschaftswachstum weltweit aus. Mit der steigend erwarteten Schieferölproduktion für Januar und Februar, die das Amerikanische Energieministerium nun bekannt gegeben hat, stürzten die börsengehandelten Rohölpreise gestern erst einmal ab. Im späten Handel konnten sie sich aber wieder erholen, so dass sich heute bei den Inlandspreisen wahrscheinlich kaum Unterschiede zu gestern ergeben.

 

Schieferölproduktion in Amerika wächst 

Am Montag Abend veröffentlichte die Statistikabteilung des US Energieministeriums den monatlichen Produktionsbericht für die Schieferölregionen im Land. Seit Monaten schon wächst diese Sparte der Ölindustrie, bei dem durch das sogenannte Fracking unter hohem Druck Gas oder Öl aus tiefer liegenden Gesteinsschichten gelöst wird.

 

Laut Bericht soll die Förderung im Januar bei 8,12 Millionen Barrel, also etwa 1,3 Milliarden Liter, liegen und im Februar sogar noch weiter steigen. Im Dezember sind außerdem 218 neu gebohrte, allerdings noch nicht erschlossene Ölquellen hinzugekommen, die die Gesamtzahl nun auf 8.594 erhöhen. Diese Ölquellen sind ein Indikator dafür, dass die Schieferölindustrie sehr schnell ihre Produktion anheben kann, auch wenn an ihnen im Moment noch kein Öl gefördert wird.

 

Das Potenzial der amerikanischen Ölindustrie scheint damit also noch lange nicht ausgereizt, auch wenn einige Experten vermuten, dass es im Laufe des Jahres erst einmal zu einer Verlangsamung des Wachstumes kommt. Dennoch scheinen die Marktteilnehmer davon auszugehen, dass die komfortable Versorgungslage in den USA die Preise weltweit eher belastet.

 

Ölpreise im Spannungsfeld verschiedener Faktoren

Nachdem sich die Ölpreise von der Abwärtsbewegung zum Jahresende 2018 wieder erholt haben und nun auf einem ähnlichen Niveau wie Anfang Dezember notieren, hat sich ein Spannungsfeld aus preissenkenden und preissteigernden Faktoren gebildet, das zu einer Stabilisierung der Preise auf höherem Niveau geführt hat.

 

Zum einen ist die OPEC entschlossen, durch ihre Kürzungen das weltweite Überangebot einzudämmen. Die Sanktionen gegen den Iran, die im Frühjahr wieder dafür sorgen könnten, dass größere MEngen vom MArkt genommen werden, spielen dem KArtell dabei in die KArten. Zum anderen steigt die Sorge, dass sich das globale Wirtschaftswachstum und damit auch die Ölnachfrage abschwächt, nicht zuletzt auch wegen Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China oder auch dem unsicherem Fortgang der Brexit-Verhandlungen.

 

Während die Nachfrageentwicklung jedoch ein Faktor ist, der eher langfristig messbar wird, so könnte ein Ende der US Ausnahmeregelungen bei den Iran Sanktionen, sowie eine weiter strikte Einhaltung der Produktionskürzungen der OPEC+ Gemeinschaft, die Ölpreise durchaus weiter steigen lassen.