Die Rohölpreise haben die Talfahrt der letzten Tage fortgesetzt. Sie fielen am Donnerstag um etwa 2 Prozent und weiteten damit die Verluste der vorangegangenen Sitzung aus. Die weltweite Referenz-Rohölsorte Brent gab damit in weniger als zehn Tagen um etwa 10 Dollar pro Barrel nach, nachdem sie sich Ende September der 100-Dollar-Marke genähert hatte.

Mehr Öl in US-Depots als erwartet
Nachdem die Ölnotierungen bereits zu Beginn der Woche aufgrund von Gewinnmitnahmen und Konjunktursorgen nach unten tendiert hatten, löste der am Mittwoch veröffentlichte Lagerbestandsbericht der U.S. Energy Information Administration (EIA) einen massiven Preisrückgang bei den beiden wichtigsten Ölsorten West Texas Intermediate (WTI) und Brent aus.  Vor allem die Befürchtung, dass eine Verlangsamung des globalen Wachstums den Ölverbrauch beeinträchtigen könnte, lastet seitdem auf den Ölmärkten.

Brent und WTI fallen um mehr als 5 Prozent
Die globale Brent-Sorte war am Mittwoch zum ersten Mal seit Ende August unter die 85 Dollar-Marke gefallen, während WTI unter die 83 Dollar-Marke rutschte. Beide Ölsorten hatten zur Wochenmitte um mehr als 5 Prozent nachgeben. Das Kursminus von Brent von 5,6 Prozent war zugleich der größte Tagesrückgang seit Juli 2022.

Benzinnachfrage in den USA bricht ein
Im jüngsten wöchentlichen Erdölbericht hatte die EIA einen Aufbau der Rohölvorräte, aber einen erheblichen Anstieg der Benzinvorräte gemeldet. Diese nahmen in der vergangenen Woche um 6,5 Millionen Barrel zu, was den größten Zuwachs seit Januar 2022 darstellte. Dem Bericht zufolge soll die Benzinnachfrage in den USA auf acht Millionen Barrel pro Tag eingebrochen sein, doch Experten halten selbst diese Menge noch für eine Unterschätzung.

Ölpreise über 100 Dollar kontraproduktiv
Nach einem kräftigen Anstieg im dritten Quartal, bei dem Brent-Öl gegen Ende September die Marke von 95 Dollar pro Barrel überschritten hatte, schien es nur noch eine Frage von Tagen bis zu dreistelligen Kursen zu sein. Rohstoffexperten hatte aber bereits zuvor davor gewarnt, dass Preise über oder in der Nähe der 100-Dollar-Marke die Ölnachfrage massiv beeinflussen und somit kontraproduktiv für die Absichten der OPEC sein könnten.

Nicht frei von Ironie, erfolgte der Rückgang der Rohölpreise im Gleichschritt mit der Ankündigung Saudi-Arabiens und Russlands, dass die freiwilligen Produktionskürzungen bis zum Ende des Jahres beibehalten werden sollen.

Preisrutsch beim Öl mindert Inflationssorgen
Sofern der Preisverfall anhält, würde er dazu beitragen, den Inflationsdruck zu senken. Die Währungshüter der US-Notenbank diskutieren seit der letzten Zinssetzung über die Frage, ob sie die Kreditkosten genug angehoben haben. Höhere Zinsen bremsen das wirtschaftliche Wachstum und wirken sich dadurch auf die Ölnachfrage aus. Die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten, die heute Nachmittag zur Veröffentlichung anstehen, werden weitere Anhaltspunkte auf den Zustand der US-Konjunktur geben.

Wie geht es an den Ölmärkten weiter?
Die weltweiten Rohölpreise könnten nach der Entscheidung der OPEC vom Mittwoch, die Förderkürzungen beizubehalten, auf 100 Dollar pro Barrel steigen, betonte Eirik Waerness, Chefökonom des norwegischen Energiekonzerns Equinor.

„Ich würde nicht ausschließen, dass wir Preise von 100 Dollar pro Barrel erreichen können, aber nicht, weil die OPEC das so beabsichtigt. Die OPEC strebt wahrscheinlich einen Preis von weniger als 100 Dollar pro Barrel an, um sicherzustellen, dass die Ölnachfrage nicht zusammenbricht, sagte Waerness am Rande eines Energiegipfels in Houston.

Sinkende Energiepreise bleiben uns auch zum Wochenschluss erst einmal erhalten. Nachdem die Notierungen für Gasöl, dem Vorprodukt für Diesel und Heizöl, in den letzten Tagen von 1.000 US-Dollar auf 850 Dollar je Tonne nachgaben, wirkt sich dieses Minus auch auf die Heizölpreise aus. Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesgebiet müssen im Schnitt etwa -2,10 bis -2,90 Euro pro 100 Liter weniger bezahlen als noch am Donnerstag.


Source: Futures-Services