In der vergangenen Woche waren die Ölpreise zunächst etwas unter Druck geraten, da die Konjunkturaussichten weltweit nicht gerade rosig gesehen werden. Der Internationale Währungsfond korrigierte seine Wachstumsprognose Anfang der Woche neuerlich nach unten. Vor allem die schlechten Wirtschaftsdaten aus China bereiten nach wie vor Sorge. Allerdings verhindern die konsequent umgesetzten Kürzungen seitens der OPEC einen klaren Preisrutsch. Der Umbruch in Venezuela könnte ebenfalls zu Förderausfällen führen, die die Preise stützen würden. Zum Wochenauftakt bewegen sich die Ölpreise erst einmal in einer relativ engen Spanne ohne heftige Ausbrüche nach oben oder unten.

 

Venezuela im Umbruch

Vergangenen Mittwoch hat sich in Venezuelas Hauptstadt Caracas der Oppositionspolitiker Juan Guaidó selbst zum Interimspräsidenten ausgerufen und erhält seitdem weitreichende internationale Unterstützung. Der umstrittene Präsident Nicolas Maduro gerät zunehmend unter Druck und kann seine Macht momentan nur durch das momentan noch loyale Militär sichern. Donald Trump hat dem Land jedoch schon mit stärkeren Sanktionen gedroht, sollte Maduro weiter an seinem Amt festhalten.

 

Die politische Instabilität in Venezuela wird das Ölangebot damit kurzfristig vermutlich reduzieren, davon gehen Finanzexperten und auch die meisten Marktteilnehmer aus. Das Land mit den größten Ölreserven weltweit hatte durch Unterinvestitionen und Misswirtschaft in den vergangenen Jahren immer mehr Förderausfälle zu verzeichnen gehabt. Die politischen Unruhen dürften diese Situation wohl zunächst verschlimmern.

 

Mit den Ausfällen aus Venezuela und auch der reduzierten Förderung in Libyen, wo ebenfalls politische Unruhen für Schwierigkeiten sorgen, verstärkt sich der Effekt der OPEC+ Förderkürzungen. Obwohl Russland hinter seinen Kürzungsversprechen zurück bleibt, ist es dem Kartell im Grunde schon jetzt gelungen, das Überangebot aus der zweiten Jahreshälfte 2018 abzubauen und somit dem Preisverfall nachhaltig entgegenzuwirken.

 

Wieder mehr aktive US Ölbohranlagen 

Jede Woche wird in den Vereinigten Staaten die Anzahl der aktiven Ölbohranlagen veröffentlicht. Für die Marktteilnehmer ist diese Zahl deshalb wichtig, weil sie als ein Indikator für das Wachstum der US Ölproduktion gesehen wird. Mit den Anlagen werden neue Ölquellen angebohrt. Eine Erschließung der Ölquellen nimmt meist sechs bis neun Monate in Anspruch, so dass die Zahl der Ölbohranlagen eher eine mittel- bis langfristige Prognose darstellt.

 

Im vergangenen Jahr war die Zahl der aktiven Ölbohranlagen kontinuierlich angestiegen und hatte das enorme Potential der Schieferölindustrie in den USA eindrücklich dokumentiert. Seit Jahresbeginn waren dann aber wieder rückläufige Zahlen zu verzeichnen gewesen, die vermuten ließen, dass die Unternehmen weniger in die Suche nach neuen Ölquellen investieren, als in der zweiten Jahreshälfte 2018. In der vergangenen Woche stieg die Zahl der aktiven Anlagen zwar wieder auf 862, bleibt aber im ganzen eher rückläufig.

 

Ausblick

Dank des starken Euro, der Rohöl für Investoren aus Europa günstiger macht, kann es heute bei den Inlandspreisen durchaus zu Abschlägen kommen. Für 100 Liter Heizöl zahlen Verbraucher dann etwa -0,60 bis -0,70 Euro weniger als am Freitag.