Wie die Gesetzte der Börse ineinander greifen ist manchmal schwer zu durchschauen. Oft reagieren die Kurse auf kleinste Hinweise oder Signale, je nachdem ob die Marktteilnehmer ihre Kauf- und Verkaufsentscheidungen davon abhängig machen. In den letzten Wochen überwog die grundsätzliche Sorge um Versorgungsengpässe und Angebotsknappheit, so dass die Preise stetig nach oben gingen. Gestern wendete sich das Blatt kurz ein wenig. Der starke Anstieg am Mittwoch sorgte für Gewinnmitnahmen. Marktteilnehmer profitierten von den hohen Preisen und verkauften ihre Wertpapiere. Der Preis reagierte und ging entsprechend etwas nach unten. Sehr langfristig dürfte dieser Trend jedoch nicht sein.

 

Russland und Saudi-Arabien wollen Produktionsreserven nutzen

Russland hat inzwischen die Produktionskürzungen von 300.000 Barrel (ein Barrel entspricht etwa 159 Litern), die man seit Anfang 2017 mit dem Deal der OPEC umgesetzt hatte, wieder rückgängig gemacht. Im September hatte man sogar 100.000 Barrel zusätzlich gefördert.

 

Laut dem russischen Energieminister Alexander Nowak habe man noch genügend Kapazitäten zur Produktionssteigerung. Mittelfristig könnte die Förderung auf etwa 11,55 Millionen Barrel, also etwa 1,8 Milliarden Liter, angehoben werden, so Nowak im letzten Monat.

 

Auch aus Saudi-Arabien hört man nun, dass man bereit sei, die vorhandenen Ölreserven vollständig zu aktivieren. Damit könnten etwa 1,4 Millionen Barrel zusätzlich auf den Markt kommen. Gerüchten zufolge gibt es sogar eine geheime Absprache zwischen den beiden Ländern, die Förderung ohne die Zustimmung der übrigen OPEC+ Mitglieder zu steigern.

 

Entscheidend wird nun sein, wie viel Rohöl Russland und Saudi-Arabien kurzfristig an den Markt bringen können und ob es ausreichen wird, die Exportrückgänge aus dem Iran zu kompensieren. Es bleibt abzuwarten, wie viel von den Ankündigungen tatsächlich umgesetzt wird und ob die Preise damit nachhaltig sinken könnten.

 

Ausblick

Seit langer Zeit mal wieder ist Heizöl heute günstiger als am Vortag. Der stärkere Euro hilft, genauso wie die leicht gefallenen börsengehandelten Rohölpreise. Somit sind heute Abschläge von -0,55 bis -0,70 Euro pro 100 Liter drin.